Arbeiten aus der Karibik…Wirklich?

Ich plane diesen Post jetzt schon seit 3 Monaten und hab es jetzt endlich geschafft. Warum er schon die ganze Zeit mit dem Titel „Grüße aus der Karibik“ in meinem Trello-Board steht, das erkläre ich später. Wie das aber nun mal so ist, ist er jede Woche immer wieder in meiner Prioritätenliste nach unten gerutscht. Irgendwie gab es immer etwas wichtigeres zu tun, offensichtlich. Aber warum klappt es gerade jetzt?

Homeoffice Köln

Ich habe mir letzte Woche einmal ein bisschen Zeit genommen um meine ersten 6 Monate als selbstständiger Growth Hacker zu reflektieren. Was läuft gut? Was läuft nicht so gut? Was habe ich mir grundsätzlich anders vorgestellt? Besser, schlechter? Viele Fragen für die ich mir tatsächlich mal Zeit nehmen musste und die ich täglich von Bekannten, den Freunden und der Familie gefragt werde.

Wie alles begann?

Nochmal ganz kurz, weil es so schön war. Ich bin 2006 direkt nach meinem Wirtschaftsinformatik-Studium bei Trusted Shops in Köln eingestiegen. Ich war einer der ersten Mitarbeiter in der IT, im Business Development, im Marketing oder was auch immer man in einem Startup so zu tun hat. An jedem Schräubchen durfte ich schrauben, großartig. So auch am Trusted Shops Bewertungssystem, ca. 2008. Wir konzipierten mit nur 3 Personen ein komplett neues Produkt. Implementierten es und schenkten es den damals knapp 2.500 Kunden als Free-Version. Nur wenige Minuten später, nutzten die ersten 100 Kunden das System und wir bekamen echte Nutzungszahlen und echte Kundenfeedbacks. In der gleichen Nacht wurde ich Produktmanager und war für den Betrieb, das Marketing und die Weiterentwicklung des Produkts verantwortlich. Meine Vorträge waren damals noch ziemlich bescheiden ;-( Heute würde ich das Ganze als meinen ersten richtigen erfolgreichen Growth-Hack bezeichnen, der mich bis heute auf jeden Fall nachhaltig geprägt hat…“Done is better than perfect“ und so…Nebenbei bin ich auch ins Online-Marketing abgerutscht, da ich nebenher immer meine eigenen SEO- und Affiliate Projekte….

Ok, Achtung – Verzettelungsgefahr. Diese ganze Story mit allen Challenges und Details wie man bis zu 7 agile Produkt-/Growth Teams aufbaut und parallel synchronisiert kann man alles auch schon in meinem Buch „Growth Hacking mit Strategie“ nachlesen. Ich verschone Dich heute damit…Wir überspringen also ein paar Kapitel/Jahre und kürzen das Ganze ab mit 10 Jahren echte Growth Hacking Erfahrung.

Im Sommer 2016 wachte ich nachts auf und wusste, dass die Zeit jetzt endlich reif war, selbst durchzustarten. Über 10 Jahre echte Berufserfahrung in den Growth-Disziplinen Produktmanagement, Produkt-Marketing, Online-Marketing, Technologie und IT-Infrastruktur sowie vor allem viel Management- und Leadership Praxis sollten eine perfekte Grundlage sein, um als Consultant endlich „mein eigenes Ding“ machen zu können.

Am 1. März 2017 war es dann endlich soweit. Mein 1. Arbeitstag als Selbstständiger. Es war sehr sonnig, aber auch sehr windig als ich morgens mit dem Rennrad in den STARTPLATZ im Mediapark fuhr. Jetzt im Nachhinein weiß ich, ein Zeichen 😉

Was mache ich eigentlich?

Wie oft ich in den letzten 6 Monate diese Frage wiederum beantwortet habe, oh weia. In super kurz, würde ich heute sagen:

„Ich helfe Startups, Mittelständlern und großen Unternehmen, eine echte Growth Hacking Umgebung zu etablieren.“

Das biete ich zielgruppengerecht in drei Formaten an: Mit einem Online-Kurs, Bootcamps und Inhouse-Workshops. Darüberhinaus unterstütze ich ausgewählte Startups und Unternehmen dabei auch bei Growth-Projekten.

Was habe ich in 6 Monaten geschafft?

Mit ein bisschen Stolz kann ich sagen, so einiges 😉 Vor allem habe ich sehr sehr viel gelernt. Endlich wieder. Wenn man sehr lange im selben Job arbeitet wird man eben doch irgendwie stumpf in der Birne. Ich vergleiche es immer mit neverending Club-Besuchen nach einer langjährigen Beziehung. Man möchte irgendwie möglichst viel sehen und ausprobieren…die Freiheit genießen, sich frei bewegen zu können.

In Zahlen ausgedrückt, habe ich vom 1.3.2017 bis zum 5.9.2017:

  • 68 Tage als Growth Hacking Consultant im Rahmen von Projekten gearbeitet.
  • 13 Vorträge oder Key-Notes auf Konferenzen oder Meetups gehalten
  • 5 Growth Hacking Bootcamps in Köln und Düsseldorf selbst organisiert und durchgeführt
  • 8 exklusive Kunden-Tagesworkshops zu den Themen Growth Hacking / Produktmanagement / Online-Marketing durchgeführt
  • für 4 Startups als Freelance Growth Hacker ein Markteinführungsprojekt angeschoben („Growth Hacking Jumpstart“).
  • Über 15 Online-Kurs Videos für die Growth Hacking Academy erstellt

Growth Hacking Projekte

Was mich dabei wirklich glücklich macht, sind die Kundenfeedbacks. Jedes einzelne gibt mir so viel Bestätigung und Kraft immer weiter zu machen. Vielen Dank dafür und gerne immer wieder mehr davon.

Notiz am Rande: Das aktive Einholen von Kundenbewertungen ist wirklich anstrengend. Ich war zwar jahrelang Produktmanager eines Bewertungssystems für Online-Shops und wusste um diese Challenge..Habe sie jedoch dennoch unterschätzt.

Was habe ich nicht geschafft?

Wenn man natürlich stolz davon erzählt was man geschafft hat, muss man natürlich auch davon sprechen, was man nicht geschafft hat.

Hier gibt es im Wesentlichen 2-3 nicht-geschaffte Dinge, die ich mir im Vorfeld eigentlich vorgenommen hatte.

  1. Ich habe sehr viele Kunden bedient, was mir auch eine riesige Freude bereitet. Lead, Angebot, Sales, Produkt, Abrechnung – alles super. Ich liebe es. Allerdings ist das natürlich auf eine andere Weise auch wieder ein Abhängigkeitsverhältnis. Immer alles für den Kunden zu geben ist natürlich die Devise. Aber Kunden haben natürlich auch ihren eigenen Kopf und verstehen einige Dinge nicht so wie man es gern hätte. Zudem bekommt man natürlich auch nur so lange Geld vom Kunden, wie man für ihn arbeitet. Agentur- oder Beratungsgeschäft. Das Geschäftsmodell skaliert also nicht wirklich. Zumindest nicht als Einzelkämpfer. Um dem entgegen zu wirken wollte ich eigentlich viel mehr Dampf auf meinen Growth Hacking Online-Kurs geben. Das Wissen einmal in einen Online-Kurs gegossen und los geht´s. So denken viele…Leider ist es nicht ganz so einfach und viele notwendige Details habe ich zeitlich einfach nicht hinbekommen. Es ist zwar alles da und ein paar hundert User sind auch in der Free-Version aktiv unterwegs. Allerdings fehlte mir immer die Zeit, den E-Mail Funnel und ein vernünftiges Pricing- und Upgrade Konzept am Kunden umzusetzen.
  2. Zu dem 1. Punkt gehört eigentlich auch noch, dass ich bislang noch kein Upselling-Produkt („Retainer“) für meine Bootcamp- und Workshop Kunden definiert habe. Und das obwohl die Teilnehmer immer danach fragen. „Hendrik, kannst Du dir bitte ein Paket ausdenken mit dem wir dich regelmäßig miteinbeziehen können?“ Ziemlich dämlich von mir bislang diese zufriedenen Kunden noch nicht langfristig gebunden zu haben. Gute Nachrichten, ich teste hier gerade etwas.
  3. Wie ich schon in der Einleitung erwähnt habe, wollte ich viel mehr Zeit zum bloggen, vloggen, E-Mail Marketing, Facebook Marketing und das ganze Lead-Generierungsthema haben…Aber irgendwie ist es nicht mehr als ein einziges eBook und 1-2 Gastartikel geworden. Immerhin konnte ich so meine Growth Hacking Bootcamps immer gut voll bekommen.

Was mir fehlt? Mein Team.

Wie es immer so ist, lernt man aus den Fehlern am meisten. Dazu kommt, dass ich tatsächlich „mein Team“ sehr vermisse. Bei Trusted Shops habe ich über 5 Jahre ein Team von über 50 Personen aufgebaut, das mir sehr ans Herz gewachsen ist. Vor allem die Arbeit im und am Team. Die Motivation. Das fehlt mir schon sehr. Auch die kleinen Reibereien zwischendurch. Die zusätzliche Verantwortung, die damit einhergeht, irgendwie auch. Ich habe in meinen Manager-Zeiten einfach gelernt, wie toll es sich anfühlen kann, wenn ein Team funktioniert.

Growth Team

Aus diesem Grund habe ich mich im August entschlossen mein Team aufzubauen.

Im August habe ich mir einen jungen und lernwilligen Studenten an Board geholt, den ich nun komplett auf das Thema Lead-Generation, also ganz oben im Funnel, setzen werde.

Das Produkt bin ich erstmal nach wie vor selbst. Zu viel Spaß machen mir die Workshops, Bootcamps und Kundenprojekte.

Wen ich dann jetzt als nächstes benötige ist eine junge und tatkräftige Unterstützung für den Themenblock Customer Relations, Event-Organisation und Back-Office. Ausschreibung folgt.

Dadurch erhoffe ich mir,

  1. Mehr Zeit in die Qualität meiner Produkte investieren zu können.
  2. Deutlich mehr „automatisierte“ Leads zu erhalten
  3. Durch Coaching endlich auch wieder meiner Passion als Coach und Leader gerecht werden zu können
  4. Hinsichtlich der Kundenprozesse und Eventprozesse professioneller zu werden.

Ich bin der festen Überzeugung, dass ich mit zwei jungen und willigen Leuten an meiner Seite meine Schwachstellen der letzten 6 Monate gefixed bekomme.

Mehr Zeit?

Ein Thema was ich mir im Vorfeld so sehr gewünscht habe…Mehr Zeit mit meiner Tochter. Ich arbeite nicht mehr oder weniger als vorher…Eigentlich auch eine gute Nachricht. Aber ich kann meine Zeit jetzt viel flexibler einteilen. Etwas was alle Selbstständigen irgendwie schon immer gesagt haben. Aber man muss es tatsächlich selbst spüren, um zu raffen, welche enorme Lebensqualität das hat.

Zu Hause mit meiner Tochter Mittagessen oder wie letzte Woche Montag. Nach der Bestätigung eines Angebots für einen fetten Kundenworkshop habe ich um 12.30 Uhr Feierabend gemacht und bin mit meiner kleinen Tochter den ganzen Nachmittag ins Freibad gefahren. Ein Wahnsinn, dieses Gefühl. Natürlich habe ich noch ein kleines schlechtes Gewissen. Aber das macht man sich ja schließlich selbst 😉

Lunchbreak with my daughter….

Ein Beitrag geteilt von Hendrik Lennarz (@hlennarz) am

Die Produkte

In meinen Workshops bringe ich den Teilnehmern immer bei, dass sie so früh wie möglich herausfinden müssen, was der wirkliche Nutzen (USP) ihres Produkts ist. Bei Persönlichkeiten spricht man davon „Worin bist Du wirklich richtig gut? Nicht mittelmaß, sondern exzellent.“ Das finde ich auch selbst bei mir super wichtig.

Schaue ich mir das Poesiealbum meines alten Teams an, wo alle meine Leute mir persönliche Nachrichten und Wünsche hineingeschrieben haben…oder eben meine Kundenfeedbacks, dann stellt sich heraus, dass

  • ich irgendwie eine sehr motivierende Art habe. Auch privat.
  • ich sehr viel Erfahrung in allen notwendigen Growth-Disziplinen habe
  • ich mich schnell in die Probleme anderer Business-Modelle denken kann
  • die Leute meine Art vorzutragen oder zu coachen einfach mögen

Mein Student meinte letztens auf der Rückfahrt nach einem 10-stündigen Kundenworkshop…“Hendrik, ich will mich ja nicht einschleimen…Aber wie schaffst Du es 10 Stunden am Stück immer mit Vollgas einen Kundenworkshop zu machen..Ohne, dass Du müde wirst?“ Darüber musste ich natürlich nachdenken….Nach ein 1-2 Minuten war meine Antwort…“Weil ich es liebe.“

Diesbezüglich war auch ein richtig guter Schritt die Entwicklung meines eigenen Growth Hacking Prozesses. Diesen gibt es mittlerweile schon in der Version 2.0 und dient mir und meinen Kunden bei jedem Vortrag, jedem Workshop und jedem Growth-Hacking Projekt als Leitfaden. Danke an Alex von VerVieVas für das ständige Updaten dieser wunderschönen Prozessgrafik.

That´s it. Mein Fokus in den nächsten 6 Monaten (weiter muss ich und kann ich gerade noch nicht in die Zukunft schauen) wird auf meinen Bootcamps und Individual-Workshops liegen. Da ich das am besten kann und meine Kunden das am glücklichsten macht.

Die Finanzen

Natürlich hab ich auch ein finanzielles Jahresziel. Schließlich bin ich 37 Jahre alt, selbst leider mittlerweile ein paar Ansprüche und eine Familie zu versorgen. Das Ziel: Unter dem Strich das Gleiche verdienen, wie vorher in meinem CTO/CPO Angestellten-Job.

Nach 6 Monaten kann ich sagen, dass mir das bislang gelungen ist. Worauf ich wirklich auch sehr stolz bin. Betrachtet man eben die Komponente, dass ich aufgrund gewonnener Flexibilität heute eben viel mehr Zeit mit meiner Tochter verbringen kann, als vorher. Ein guter Deal.

Leider hatte ich einen Aspekt nicht mit einkalkuliert.  Die Krankenversicherung muss ich jetzt komplett selbst bezahlen. Nun denn.

Meine Schwäche: Buchhaltung und Steuern

Mochte ich noch. Bleibt auch so. Gott sei Dank, liebe ich Angebote und Rechnungen schreiben. Sowie nicht-bezahlten Rechnungen hartnäckig hinterherzulaufen.

Aber Buchhaltung, Belege sammeln und sortieren, …Steuern ist nicht so mein Ding. Mit dem Tool Fastbill (Partnerlink) habe ich mir zumindest mal eine zentrale Station gegönnt. Statt alles im Schuhkarton aufzubewahren. Das hilft mir schon sehr.

Eigenes Büro?

Ich kann zum Starten nur jedem Empfehlen möglichst viel Zeit im STARTPLATZ in Köln zu verbringen. In dieser Community aus Freelancern, jungen Studenten und Corporates findet sich immer jemand zum Austauschen…und auch der ein oder andere neue Lead. Absolute Empfehlung sich nicht zu Hause in den eigenen vier Wänden einzuschließen. Ihr braucht den Austausch und das Feedback.

Coworking Köln

Natürlich geht das auch in anderen Coworking-Spaces. Aber die Atmosphäre im STARTPLATZ ist meines Erachtens schon sehr besonders.

Ich hatte darüber hinaus auch noch die Ehre ein Growth Hacking Projekt für den STARTPLATZ umzusetzen. Vielen Dank an Lorenz und sein Team für die tolle Zusammenarbeit. Ich freue mich schon auf das nächste Produkt was wir schon bald wieder gemeinsam launchen werden…*SPOILER*

Wie geht´s weiter?

Ich bereue bislang keine einzige Sekunde. Selbstbestimmtes Arbeiten ist wirklich ein Segen. Ich kann aber auch alle „jungen“ Freelancer und Startups verstehen, wenn Sie schimpfen und sich so häufig nach einem sicheren Angestellten-Job sehnen. 100% Verantwortung. Dessen muss man sich eben bewusst sein.

Ach ja, warum hatte ich diesen Post eigentlich mit „Grüße aus der Karibik“ geplant? Ganz einfach…Wir planen tatsächlich über Silvester in der Karibik zu verweilen…Ich kann ja von dort arbeiten…;-)

Ich hoffe, Dir hat der Post gefallen. Wenn ja, freue ich mich über Kommentare…wenn nein, ebenfalls. Was sind Deine Erfahrungen in den 1. Monaten Selbstständigkeit? Was hält Dich zurück?

Eine Antwort auf „Arbeiten aus der Karibik…Wirklich?“

  1. Großartig Hendrik! Als ich damals zum ersten Mal selbständig wurde, war meine erste Amtshandlung den Wecker abzuschaffen. Heute, 7 Jahre später, arbeite ich Vollzeit in der Karibik (Synonym für Remote / aktuell in Spanien).

    Weiter so! Ich find´s super, was du machst.

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