Leadership – 6 Eigenschaften die einen guten Leader auszeichnen

Leadership ist eines meiner Lieblingsthemen. Garantiert auch eines der aufwendigsten Themen im Aufbau von Unternehmen, das stets kontrovers diskutiert wird. Fragen, die mir in diesem Zusammenhang immer wieder gestellt werden:

  • Wie kann ich mein Team in Entscheidungen mit einbeziehen, ohne dass es anders entscheidet, als ich es tun würde?
  • Was bedeutet es, ein guter Leader zu sein?
  • Ist Chef-sein wirklich der einzige Weg, um Karriere zu machen?
  • Muss man als Leader geboren werden, oder kann man das lernen?
  • Woher weiß ich, was ich delegieren kann und was ich lieber selbst machen sollte?
  • Wie motiviere ich mein Team, noch härter zu arbeiten?

Leadership & Team Spirit

Ich persönlich muss gestehen, dass ich bis zum Jahr 2011 tatsächlich ein überzeugter Einzelspieler gewesen bin. Und das, obwohl ich mein Leben lang Fußball als Team-Sport betrieben habe und die Vorteile von Teams dadurch eigentlich gut kennen sollte. Vor allem, weil man beim Amateur-Fußball die Nachteile von Teams häufig zu spüren bekommt. Allerdings überwiegen für mich persönlich die Vorteile. Außerdem existieren nur wenige Einzelspieler, die es tatsächlich zu etwas gebracht haben. Selbst Einzelsportler wie Tennis-Champion Angelique Kerber oder Ironman-Weltmeister Jan Frodeno arbeiten mit einem Team. Hinter jedem Champion steckt ein großes Team, bestehend aus Familie und Freunden, Trainern, Psychologen, Beratern, Sponsoren und Trainingskollegen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Angelique Kerber den ganzen Tag allein Tennis spielt.

Folgende Aufgaben und neue Situationen kommen auf den Leader eines Teams zu:

  • Rekrutierung neuer Mitarbeiter
  • Onboarding neuer Mitarbeiter
  • Bezahlung der Mitarbeiter
  • Mitarbeiter sind krank
  • Mitarbeiter wollen Urlaub
  • Mitarbeiter wollen Perspektiven
  • Mitarbeiter wollen mehr Geld
  • Mitarbeiter streiten untereinander
  • Mitarbeiter tun nicht, was sie tun sollen
  • Mitarbeiter kündigen

Als ich 2011 bei Trusted Shops mit dem Aufbau des Produktmanagements begonnen hatte und damit auch gleichzeitig nicht mehr der alleinige Product-Manager für alle Produktentscheidungen war, hatte ich anfangs natürlich Zweifel: Entscheidungen zukünftig im Team absprechen zu müssen, Aufgaben zu delegieren, statt sie komplett selbst in der Hand zu haben, oder sich mit den Problemen der Mitarbeiter rumärgern zu müssen. Eigentlich alles nicht wirklich vorstellbar. Schon bei der Rekrutierung der ersten drei bis vier Leute wurde mir schnell klar, dass das mein Ding ist. Fähige Leute auf dem Markt zu finden und dann von der eigenen Herausforderung zu überzeugen, ist für mich extrem spannend, wenn auch sehr zeitaufwendig. Ich höre immer wieder Beschwerden von HRlern und Headhuntern, dass sich die Führungskräfte nicht genug Zeit für das Recruiting nehmen würden. Das kann aus meiner Sicht nur daran liegen, dass sie einerseits den Wert eines tollen Teams noch nicht zu schätzen wissen und andererseits wahrscheinlich keine Lust haben, mit Menschen zusammenzuarbeiten. Die Aussage, dass Führungskräfte keine Zeit für das Recruiting haben, da sie zu sehr im Tagesgeschäft integriert sind, ist aus meiner Sicht falsch. Recruiting gehört zur Kernaufgabe jeder Führungskraft.

Ich persönlich liebe es, mit meinem Team gemeinsam an einer Challenge zu arbeiten, das Team-Setup immer weiter zu optimieren, dem Team die Vision immer wieder aufzuzeigen und das Team permanent zu motivieren.

Weil ich genau das so mag, ist dies wahrscheinlich die Erklärung dafür, warum ich in den letzten zwei bis drei Jahren im Amateur-Fußball immer wieder mit meinen Trainern angeeckt bin. Ich habe versucht, auf dem Platz das Team zu positionieren und auf meine Art zu motivieren. Eigentlich der Job des Trainers. Entsprechend mochten die Trainer mein Vorgehen auf dem Platz oftmals nicht wirklich, leider.

Fragt man erfahrene Gründer und Unternehmer nach ihrer wichtigsten Erfahrung beim Unternehmensaufbau, so antworten die meisten mit: „Ein hoch motiviertes und talentiertes Team zu finden, das zu 100% an die Vision glaubt“, erklärt zum Beispiel Florian Gschwandtner, Gründer und CEO von Runtastic:

Leadership und Team Spirit
https://pheminific.de/sketchnote-florian-gschwandtner

Carsten Maschmeyer, bekannt als Investor aus der Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“, unterstreicht die Wichtigkeit des Teams ebenfalls durch seine Aussage: „Im Immobilien-Markt sagt man Lage, Lage, Lage. Bei Start-ups sagt man Team, Team, Team.“

Sei ein guter Leader

Aber was muss man tun, um ein guter Leader zu sein? Sicher ist, dass es pro Branche und natürlich auch pro Team immer unterschiedliche Dinge sind, die einen guten Leader ausmachen. Schließlich geht es einerseits über die Erreichung von andersartigen Zielen in unterschiedlichen Branchen, andererseits von völlig unterschiedlichen Team-Setups, Team-Größen und letztendlich von einzelnen Individuen als Team-Mitgliedern. Nicht ganz einfach, aber definitiv lösbar. Dafür gibt es genügend Beispiele. Meine persönlichen Regeln für eine gute Leadership in Start-ups und Unternehmen:

Sechs Eigenschaften die gute Leader auszeichnen

  1. „Sprich mit dem Team, so viel es geht.“ Nur so lassen sich die Teams auch wirklich verbessern. Die Leute besser machen sehe ich als die Kernaufgabe eines guten Leaders an. Denn nur so bekommt man auch wirklich mit, an welchen Stellen man die berühmte „Extra Meile“ noch herausholen kann. Möglichkeiten für Gespräche gibt es genug. „Keine Zeit“ ist keine akzeptable Ausrede für einen guten Leader.
  2. „Stress das Team nicht, sondern nimm dem Team den Stress.“ Ein Beispiel. Statt die Deadline immer wieder zu nennen, sollte man die Begründung für die Deadline und die positiven Konsequenzen immer wieder betonen. „Der Kunde kündigt sonst“ ist wiederum keine akzeptable Vorgehensweise. Stattdessen könnte man sagen: „Was fehlt euch, was kann ich tun, damit wir die Deadline trotzdem halten können? Ihr wisst, dass wir mit dem Gewinn dieses Kunden unser Jahresziel geschafft haben und damit völlig neue Möglichkeiten gewinnen.“
  3. „Man benötigt keinen Titel, um ein guter Leader zu sein.“ Vor allem gültig in agilen Product-Teams. Entwickler müssen keine tollen Titel bekommen, um andere Entwickler mit sich zu ziehen oder besser zu machen. Beim Fußball muss man nicht Mannschaftskapitän sein, um im Team eine Leader-Funktion zu übernehmen.
  4. „Kreiere ein Wir-Gefühl.“ Ohne ein gemeinsames Ziel und ein funktionierendes Team-Gefüge ist großer Erfolg nicht möglich. Ein guter Leader ist dafür verantwortlich, im Team einen Spirit zu implementieren: „Einer für alle, alle für einen.“ Dazu gehört auch der Leader selbst. Im Start-up ist der Leader der Chef und muss am Ende natürlich den Kopf hinhalten. Das ist der Deal. Aber der Leader arbeitet im besten Fall deutlich härter als das Team selbst, denn dann funktioniert er als Vorbild für das Team. Nur wenn jeder im Team der Arbeit des anderen die gleiche Wertschätzung schenkt, entsteht ein bedingungsloses Wir-Gefühl.
  5. „Leadership muss man lernen.“ Die meisten Gründer sind keine „Natural born leaders“. Gute Leadership basiert auf Erfahrung. Jeder Mitarbeiter und jedes Team tickt anders. Es dauert seine Zeit, bis alles so läuft, wie man es sich wünscht. Leader müssen viel mehr als andere ständig selbst reflektieren. Viele erfolgreiche Gründer bestätigen zudem, dass es extrem hilfreich sein kann, sich externe Hilfe zu holen, um ein sehr guter Leader zu werden. Wie führt man Mitarbeitergespräche? Wie schenkt man Mitarbeitern Wertschätzung? Wie löst man Probleme mit einem Mitarbeiter? Geschulte Führungscoaches oder andere erfahrene Gründer geben dazu gern gute Tipps. Dringend zu empfehlen.
  6. „Sei authentisch und transparent.“ Diese Eigenschaft hängt eng zusammen mit dem Wir-Gefühl des Teams. Wenn Leader authentisch sind, sind sie in der Regel gute Vorbilder und das Team folgt ihnen sehr gern. Aber neben einer Authentizität, die ich persönlich als wichtiges Social Skill für Gründer halte, ist die Transparenz der Unternehmensentwicklung mindestens genauso wichtig:
  • Was sind die Unternehmensziele und wo stehen wir?
  • Was ist die Unternehmensvision?
  • Was macht ein Gründer-Team den ganzen Tag?
  • Wie laufen die Investoren-Gespräche, von denen eigentlich offiziell niemand wissen darf, aber dennoch jeder inoffiziell weiß?

Google macht es seit Jahrzehnten vor. In regelmäßigen Abständen kommt das gesamte Team zusammen und die Gründer, Manager oder wer auch immer etwas zu sagen hat, updaten das Team über die aktuellen Herausforderungen und Pläne des Managements. Man nennt diese Meetings „Objectives, Key Indicators & Results“ (OKR). Sie sind wichtig für das gesamte Team, um stets genau zu wissen, wofür sie die Extra-Meile laufen sollen.

Auch wir bei Trusted Shops führen jetzt schon seit drei Jahren einmal pro Monat ein OKR für das Team durch. Das Feedback ist durchweg positiv, da die Mitarbeiter stets auf dem Laufenden sind und zumindest grob Bescheid wissen, welches große Projekt oder welcher große Change auf sie zukommen wird. Das ist positives Erwartungsmanagement. Angelehnt an den Scrum-Daily, nennen wir dieses Meeting den Monthly, innerhalb des Produktmanagements begonnen, mittlerweile für die ganze Company.

Heiko Hubertz, Gründer und CEO der Onlinegaming-Company Bigpoint GmbH, spricht von fünf Skills, die ein guter Leader haben sollte:

  • Selbstwahrnehmung
  • Selbstregulierung
  • Motivation
  • Empathie
  • Soziales Verhalten
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Team Spirit

Team Spirit
Team Spirit bei Trusted Shops

Es gibt das deutsche Sprichwort: „Der Fisch stinkt vom Kopf.“ Der Spirit, der in einem Team herrscht, muss demnach vom Leader vorgelebt werden. Schon im Recruiting sucht man sich die Leute auch schon anhand des Spirits aus. Das bestätigt Philipp Kreibohm, Founder vom Online-Möbelshop Home24, und fasst in drei Punkten zusammen, die für ihn im Recruiting immer besonders hilfreich sind:

  • Keine Arschlöcher
  • Professionelle Kompetenz in ihrer Disziplin
  • Das Flackern in den Augen

Aber wie etabliert man Team Spirit? Am besten , indem man das Team zum Mitmachen bringt. In der digitalen Branche sucht niemand nach Leuten, die Befehle lediglich ausführen. Natürlich gibt es die Einzelaufträge vom Chef selbst, die bitte nicht zu hinterfragen, sondern auszuführen sind. Das kennt jeder, der in einem Unternehmen arbeitet. Allerdings sollten diese Aufträge nicht zu häufig vorkommen, da das Team sich sonst in seiner Kompetenz beschnitten fühlt. Das geht schneller, als viele Chefs sich das vorstellen können.

Im Optimalfall stellt man ein Team zusammen, entwickelt gemeinsam ein Ziel, stellt ein Budget bereit und es geht los. Leider gibt es dabeiein paar Fallstricke.

Schon bei der Definition der Ziele werden häufig Fehler gemacht. Meistens sind die Ziele gar nicht erreichbar. Zum Beispiel 50% Umsatzwachstum im nächsten Jahr. Erreicht das Team nur 41% und damit möglicherweise immer noch 20% mehr als dieses Jahr, so wird es demotiviert sein, obwohl es wahrscheinlich einen super Job gemacht hat. Im Umkehrschluss können Ziele natürlich auch zu niedrig angesetzt werden, so dass es dem Team an Ansporn fehlen kann.

Ein Bespiel

Ein schönes Beispiel ist wieder Runtastic. Fünf Company Goals wurden aufgestellt. Bei Erreichung des Ziels war das besondere Incentive eine viertägige All-Inclusive-Mallorca-Reise mit dem gesamten Team. Eine tolle Idee, die das Team-Gefüge über die Abteilungsgrenzen hinweg gestärkt hat. Das Team hat es geschafft, alle fünf Ziele zu erreichen – auf den letzten Metern, berichtet Florian Geschwandtner von Runtastic.

 

Team-Aktivitäten wie gemeinsame Sportgruppen, Team-Essen, Mittagessen, Sommerfeste oder Grillabende auf der Dachterrasse sind keine besonders kreativen Ideen, funktionieren aber dennoch sehr gut. Die meisten Mitarbeiter sind dankbar für alle Angebote, da sie sich als Mitarbeiter dadurch wertgeschätzt fühlen.

Eine weitere Idee, die ich auch selbst umgesetzt habe, ist das Prinzip des „Open Friday“. Einmal im Monat haben wir bei Trusted Shops einen Arbeitstag im Office, an dem jeder an etwas arbeiten kann, was auf keiner Roadmap steht. Allerdings muss jeder Mitarbeiter seine Idee im Vorfeld vorstellen, um Kollegen als Mitstreiter zu gewinnen. Abends werden dann die Ergebnisse präsentiert. Eine tolle Sache, die von den Teams aus allen Abteilungen mittlerweile sehr gut angekommen wird. Von Datenbank-Hacks über einem Facebook-Bot und eine neue HR-Webpage bis hin zu einem neuen Sitzplan für die Product-Teams konnten wir so schon sehr produktiv sein. Ein weiterer Vorteil: Es tun sich auf einmal Leute mit Ideen hervor, von denen man es zuvor geglaubt hätte. Somit auch ein kleines Sprungbrett für Leute, die nicht immer im Rampenlicht stehen.

Tipp:

Sucht den Erfahrungsaustausch: Eine wichtige Empfehlung, die ich hinsichtlich Leadership und Team-Motivation geben kann, ist der Austausch mit anderen Start-ups und Unternehmen. Alle haben die gleiche Herausforderung, das beste Team zusammenzustellen und motiviert zu halten. Ideen gibt es somit genug. Es lohnt sich jedoch immer, von Gleichgesinnten zu erfahren, was bei ihnen gut oder schlecht funktioniert hat. Allerdings muss man die Ideen selbst ausprobieren, ob sie auch wirklich den gewünschten Effekt bringen. Jede Company-Culture ist bekanntlich sehr individuell angelegt.

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