Was ist ein Growth Hacker?

„A Growth Hacker is a person whose true North is Growth.“ Sean Ellis, Founder von Growthhackers.com

Diese Beschreibung von Sean Ellis, dem Gründer der Growth-Hacking-Plattform Growthhackers.com, bringt es aus meiner Sicht nicht ausreichend auf den Punkt. Warum? Weil ein Growth Hacker meist nicht in einem luftleeren Raum arbeitet. Natürlich muss ein Growth Hacker komplett Richtung Nutzerwachstum ausgerichtet sein. Aber letztendlich auch sein gesamtes Umfeld. Sonst ist er chancenlos und wird seine Ziele nicht erreichen können.

Diese alte Grafik aus dem Frühjahr 2015 habe ich zufällig gefunden…

Anway, was ein Growth Hacker auf jeden Fall immer sehr konsequent durchsetzen muss ist, dass er bei jeder strategischen Entscheidung, die es im Unternehmen zu treffen gilt, stets verdeutlicht, „Welche Auswirkung hat diese Entscheidung auf das Ziel maximaler Growth?“ Manchmal unbequem, aber im Optimalfall wird somit Entscheidern die Priorisierung einfacher gemacht.

„Growth Hackers are a hybrid of Marketer and Coder.“ Andrew Chen, Growth Hacker von Uber

Diese Definition von Andrew Chen ist ebenfalls nicht falsch, aber auch nicht komplett vollständig. Natürlich muss ein Growth Hacker ein guter und vor allem kreativer Marketer sein. Wenn er dann auch noch zusätzlich programmieren kann oder zumindest gelernt hat, Code zu lesen beziehungsweise mit Programmierern direkt auf Augenhöhe zu sprechen, wird ihm das enorm helfen.

Ein Beispiel: Kein Growth Hacker der Welt möchte auf den Einbau eines Google Adwords Conversion Pixel auf einer Landingpage warten müssen. Das eigene Skillset und natürlich auch der eingesetzte Technologie-Stack müssen es ermöglichen, jederzeit auf den Quellcode der Websites oder auf das Content Management System zugreifen zu können.

Aber warum ist die Definition von Andrew Chen nicht vollständig? Ich bin sicher, Dir fallen auch ein paar Eigenschaften ein, die ein Growth Hacker notwendigerweise haben sollte. Ich persönlich ergänze unbedingt noch die Eigenschaften Allrounder und vor allem Daten-Nerd.

Warum Allrounder? Eigentlich sucht die IT-Welt doch immer nur nach Spezialisten und nicht nach Generalisten. Zudem hat mein Opa immer gesagt „Jemand, der alles kann, kann nichts richtig.“ Heute weiß ich, dass mein Opa als Handwerker eigentlich selbst generalistisch veranlagt war und handwerklich wirklich alles konnte. Und das war auch gut so 😉 Da er die meisten handwerklichen Themen so selbst lösen konnte.

T-shaped profil

In der IT-Welt spricht man heute häufiger vom T-Shaped-Profil, welches jedes Unternehmen und jedes Start-up für sich zu gewinnen versucht. Am Beispiel eines Growth Hackers bedeutet dies, dass er in möglichst vielen Themen aktiv mitspielen kann. Es geht also um die folgenden Disziplinen:

  • Marketing
  • Produkt
  • Technologie
  • Data
  • Human Resources
  • Customer Centricity
  • Sales
  • Projekt Management

Das T-Shaped-Profil sieht zudem noch mindestens eine Spezialisierung in einer dieser Disziplinen vor. 

Ich persönlich bezeichne demnach das perfekte Growth-Hacker-Profil allerdings als Pi-Shaped, also mit einer sehr breiten Basis und zwei Spezialisierungen statt nur einer. Dabei bieten sich für einen ausgezeichneten Growth Hacker die Spezialisierungen Daten/Analytics sowie Coding besonders an. Natürlich steht aber immer der Fähigkeit sich in den Kunden hineinversetzen zu können über allem. 

P-shaped Profil eines Growth Hackers

Neil Patel, Co-Founder von Kissmetrics, bestätigte mit dies letztes Jahr auf der Bits & Pretzels in München auch. Auf meine Frage, mit welchen Skills ein Growth Hacker im besten Fall ausgestattet sein muss, antwortete er:

„Ein Growth Hacker muss in der Lage sein: Daten zu verstehen und zu interpretieren. Kreativ zu denken, um andere Wege zu finden, als die Konkurrenz es tut. Muss sich vollständig in die Lage des Kunden versetzen können, um ihm auch wirklich eine perfekte Lösung für sein Problem anbieten zu können.“

Aber warum eigentlich immer wieder Daten? Einer der größten Unterschiede des modernen Growth-Marketings zum klassischen Marketing der letzten Jahrzehnte ist, dass wirklich jedes Growth-Experiment sehr genau ausgewertet werden kann. Ein guter Growth Hacker vergisst weder das Anhängen von Tracking Codes an Kampagnenlinks noch den Einbau des Google Adwords Conversion Pixels auf seiner Landingpage. Seinen Customer Lifecycle beherrscht er zudem im Schlaf, da dessen Optimierung seine Priorisierung bestimmt. Ein Growth Hacker ist immer in der Lage, den Return on Invest (ROI) eines Growth-Experiments zu berechnen. Dafür müssen valide Daten jederzeit vorliegen, verständlich visualisiert sein und natürlich richtig interpretiert werden. Nicht einfach, aber eine notwendige Hausaufgabe eines guten Growth Hackers.

Definition Growth Hacker

Ich werde selbst oft gefragt, was ich denn unter einem Growth Hacker verstehe. Meine persönliche Definition eines Growth Hackers:

„A Growth Hacker is a hybrid of Marketer, Coder and Data-Scientist with given instinct to Growth.“

Was macht ein Growth Hacker den ganzen Tag?

Erfahrungsgemäß ist ein Growth Hacker dann am glücklichsten, wenn er den ganzen Tag völlig unabhängig von anderen Growth Hacks finden, priorisieren, ausführen, analysieren und daraus lernen kann.

Diese Bedingungen findet man allerdings selten vor, weder in Start-ups noch in etablierten Unternehmen, da es immer Abhängigkeiten gibt. Wohlgemerkt sind Abhängigkeiten nicht immer nachteilig. Jemanden zu haben, der tollen Copytext schreiben oder tolle Banner-Ads erstellen kann, ist sicherlich auch für jeden Growth Hacker ein gerngesehenes Geschenk.

Eine der schwierigsten Aufgaben für einen Growth Hacker und seine Umgebung ist der Start. Womit soll ich anfangen? Sind die KPIs erst mal definiert und der Customer Funnel aufgesetzt, muss dieser nur noch mit Nutzern gefüllt werden. Aber dafür gibt es ja Hunderte Growth Hacks, oder?

Wie man herausfindet welche Growth Hacks tatsächlich für Dein Business die besten sind? Das Bulls-Eye-Framework von Gabriel Weinberg kann dabei vielleicht helfen.

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